Primärversorgung: Bessere Versorgung durch digitale Lösungen
Die Einführung eines Primärversorgungssystems soll die Koordination der Versorgung grundlegend verbessern. Dazu hat der GKV‑Spitzenverband konkrete Vorschläge im Positionspapier „Primärversorgung: Patientenorientierte Koordination in der ambulanten Versorgung“ eingebracht: Neben Strukturanpassungen ist die Etablierung digital gestützter Versorgungsprozesse unerlässlich. Sie erhöhen die Transparenz über den Behandlungsstand und ermöglichen so eine gezielte Steuerung der Versorgung unter Nutzung der elektronischen Patientenakte (ePA). Strukturierte Daten ermöglichen mithilfe eines bundeseinheitlichen Terminverzeichnisses eine effiziente automatisierte Terminvergabe. Dies reduziert Aufwände sowie Wartezeiten und stellt die medizinische Dringlichkeit in den Vordergrund.
Mehr Orientierung durch Versorgungsnavigation
So könnte die Ersteinschätzung zukünftig aussehen: Ein Navigationstool unterstützt Versicherte dabei, zielsicher die richtige Versorgungsebene zu finden – sowohl digital als auch über analoge Zugangswege, z. B. telefonisch oder am Tresen in der Praxis. Es bewertet die Dringlichkeit und schlägt unmittelbar die passende Versorgung vor. Falls keine Behandlung notwendig ist, fördert das Tool validierte eigenverantwortliche Maßnahmen. Die Empfehlungen des Navigationstools stärken die Gesundheitskompetenz der Versicherten und geben ihnen mehr Sicherheit und Orientierung im Gesundheitssystem.
Auf den Punkt. Was versteht der GKV-Spitzenverband unter Primärversorgung?
Mehr Transparenz durch die eÜberweisung
Auch der weitere Verlauf durch das System kann zukünftig optimal gestaltet sein. Dabei kommt der Überweisung im Primärversorgungssystem eine zentrale Steuerungsfunktion zu. Der bisherige analoge Prozess ist oft intransparent und fehleranfällig. Die eÜberweisung soll künftig den neuen Standard bilden. Sie beinhaltet strukturierte Daten zu angeforderten Leistungsinhalten und zur Dringlichkeit. Sie stellt sicher, dass relevante Termin- und Behandlungsdaten an die überweisende Praxis zurückfließen – ohne zusätzlichen Aufwand direkt in den Praxisverwaltungssystemen. Das vermeidet Fehlerquellen, verbessert die Ressourcenplanung, reduziert den administrativen Aufwand und vermeidet Doppeluntersuchungen.
Schnellerer Zugang durch digitale Terminvermittlung
Darauf basierend kann auch der Zugang zur Versorgung verbessert werden: Digitale Prozesse beschleunigen die Terminvermittlung und entlasten Versicherte und Praxen. Durch einen automatisierten Abgleich der strukturierten Daten der eÜberweisung mit Verfügbarkeiten in einem bundeseinheitlichen Terminverzeichnis können automatisiert Terminvorschläge direkt nach Ausstellen einer Überweisung unterbreitet werden. Dazu ist ein Terminverzeichnis nötig, in welchem nach gemeinsamen Vorgaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und des GKV‑Spitzenverbandes ausreichende Terminkontingente durch die Leistungserbringenden verbindlich zur Verfügung gestellt werden müssen. Die Vermittlung erfolgt diskriminierungsfrei nach medizinischem Bedarf, unabhängig vom Versicherungsstatus.
Mehrwert für alle Beteiligten
Im Zusammenspiel entfalten die drei Bausteine ihr volles Potenzial: Nach der Bedarfseinschätzung werden passende Terminvorschläge angezeigt. Zur Weiterbehandlung stellt die Praxis eine eÜberweisung aus. Informationen zu angeforderten Leistungsinhalten und zur Dringlichkeit optimieren auch hier die Terminvergabe und -planung. Überweisende bleiben dabei über den gesamten Prozess informiert. So werden die Potenziale der Digitalisierung für alle Beteiligten unmittelbar erlebbar. Im von der Bundesregierung angestoßenen Prozess zur Einführung eines Primärarztsystems setzt sich der GKV‑Spitzenverband dafür ein, diese Elemente für einen besseren Zugang zur Versorgung umzusetzen.

